Viel Glück
Beschreibung:
In diesem Bild begegnen sich zwei Welten für einen einzigen, flüchtigen Augenblick. Oben die helle, beinahe schwerelose Weite des Himmels, unten das tiefe Blau des Wassers. Dazwischen liegt eine unsichtbare Grenze – und genau auf diese Grenze stürzt sich der Eisvogel.
Mit angelegten Flügeln und vorgestrecktem Schnabel schießt er hinab. Sein kräftiges Blau hebt sich leuchtend vom zurückhaltenden Hintergrund ab. Er wirkt entschlossen, konzentriert und vollkommen auf sein Ziel ausgerichtet. Für ihn bedeutet dieser Augenblick Hoffnung: die Hoffnung auf einen erfolgreichen Fang. Man möchte ihm zurufen: Viel Glück!
Doch nur wenige Zentimeter tiefer erzählt das Bild dieselbe Geschichte aus einer völlig anderen Perspektive. Im dunklen Wasser schwimmt der kleine Fisch. Vielleicht hat er die Gefahr bereits bemerkt, vielleicht ahnt er sie nur. Auch für ihn entscheidet sich in den nächsten Sekunden etwas Wesentliches. Sein Glück besteht nicht darin, etwas zu gewinnen, sondern darin, davonzukommen. Und so möchte man auch ihm wünschen: Viel Glück!
Gerade in dieser Doppelbedeutung liegt der besondere Reiz des Bildes. Glück ist keine absolute Größe. Was für den einen Erfolg bedeutet, kann für den anderen eine Niederlage sein. Beide verfolgen dasselbe Ziel: weiterzumachen, zu bestehen, zu leben.
Auch die Gestaltung unterstützt diesen Gedanken. Der helle, von feinen Krakelées durchzogene obere Bildraum besitzt etwas Luftiges und Vergängliches. Das Wasser dagegen ist tief, kräftig und geheimnisvoll. Himmel und Wasser treffen aufeinander, ebenso wie Jäger und Gejagter, Hoffnung und Gefahr, Erfolg und Scheitern.
Und doch wirkt die Szene nicht grausam. Sie erzählt vielmehr von einem uralten Spiel der Natur, in dem es keine Gewinner und Verlierer im menschlichen Sinne gibt. Es gibt nur diesen einen Moment, in dem alles offen ist.
Der Titel „Viel Glück“ bringt diese Spannung mit einem leisen Augenzwinkern auf den Punkt. Denn wem soll man es wünschen?
Am besten beiden.
Mit Schattenfugenrahmen